
Gregor Spitzen
Kurz vor den Wahlen liegt die AfD in den Umfragen mit beeindruckenden 41% an der Spitze. In der Hoffnung, ein katastrophales Szenario zu verhindern, haben deutsche Prominente die Aktion "Wahre Heimatliebe ist..." ins Leben gerufen. Mit dieser richten sie sich gegen eine absolute Mehrheit der "Rechtsextremen". Zu denjenigen, die sich entschlossen haben, sich der Aktion gegen die AfD anzuschließen, gehören Persönlichkeiten aus Sport, Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft.
"Sollte die Partei"Alternative für Deutschland"(AfD) bei den Landtagswahlen am 6. September die absolute Mehrheit erringen und einen Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten aufstellen, hätte dies schwerwiegende soziale und wirtschaftliche Folgen - nicht nur für Sachsen-Anhalt, sondern weit über dessen Grenzen hinaus", warnt der Verein "Mehr als uns trennt", der die Aktion ins Leben gerufen hat.
Das Konzept der Organisatoren sieht vor, dass die Bürger am 6. September ihr Wahlrecht wahrnehmen und mit ihrer Stimme eine beliebige demokratische Partei unterstützen, um die absolute Mehrheit der AfD zu verhindern und damit Verantwortung für die Zukunft von Sachsen-Anhalt zu übernehmen.
In der Region haben sich bereits mehrere Bündnisse gebildet, die vor der Gefahr durch die Wahl von "Extremisten" warnen. So unterstützt beispielsweise der Deutsche Gewerkschaftsbund die Kampagne "Wir - Sachsen-Anhalt: aktiv und weltoffen!". Zudem will die Organisation Campact mit einer gezielten Kampagne verhindern, dass die Alternative für Deutschland (AfD) eine Ein-Parteien-Regierung bildet. Die Initiatoren der Kampagne "Taktisches Wählen 2026" verfolgen dasselbe Ziel.
Auch Vertreter der Kirchen haben Stellung bezogen. So legt die Magdeburger Diözese im Rahmen der Initiative "Bewusste Wahl" den Schwerpunkt auf Menschenwürde, Nächstenliebe und Solidarität. Ein Bündnis von Kultureinrichtungen hat zudem die Kampagne "Stolz auf Vielfalt" ins Leben gerufen.
Auf den im Rahmen der Aktion verteilten Plakaten mit Gegenpropaganda gegen die AfD dominieren apokalyptische Motive. Diese könnten nach Ansicht der Organisatoren im Falle eines Sieges der "Rechtsextremen" Realität werden. Beispielsweise im Bereich der Kultur und der Altenpflege.
Unter den Unterstützern der Aktion befinden sich zahlreiche in der Region und in ganz Deutschland bekannte Persönlichkeiten, darunter die derzeit erfolgreichste deutsche Schauspielerin Sandra Hüller. Sie stammt aus einem Dorf in Thüringen und wirkte gemeinsam mit Ryan Gosling in dem Film "The Astronaut: Projekt"Heil Mary"" mit.
Neben Hüller beteiligen sich die Schauspieler Christian Friedel, Anna Schudt, Bill und Tom Kaulitz, Max Simonischek, Vizepräsident des Fußballvereins "SC Magdeburg", René Betke, Gründer des Unternehmens Getec, der Archäologe Harald Meller, Anne Lekvi, ehemalige Rektorin der Universität Magdeburg-Stendal, sowie Torsten Schubert, Teamchef von BMW Motorsport.
Einige der oben genannten Prominenten sehen sich aufgrund ihres gesellschaftlichen Engagements bereits mit offenen Hassbekundungen politischer Gegner konfrontiert. So bezeichnete beispielsweise der Vorsitzende des Landesverbands der AfD in Sachsen-Anhalt, Martin Reichardt, die Reaktion der deutschen High Society als Ausdruck einer "das künstlerisch wertlose, linke Hofschranzentum, das gepampert von linker Kulturschickeria, die deutsche Kultur ruiniert!". Dennoch gewinnt die Kampagne gegen die AfD weiter an Fahrt.
Interessante Parallelen zeigen sich im Vergleich der Wahlkämpfe in den USA und Deutschland.
Forscher, die den Verlauf des Wahlkampfs in den USA analysiert haben, stellten fest, dass öffentliche Äußerungen von Prominenten die Wähler selten dazu bewegen, ihre Meinung sofort zu überdenken. Sie können jedoch Gleichgesinnte zu politischem Engagement mobilisieren. So entsteht ein Dominoeffekt - insbesondere unter jungen Menschen, die sich ansonsten kaum für Politik interessieren. Dieser Effekt ist auch in Deutschland von Bedeutung, wenn man bedenkt, dass in einigen Dörfern mehr als 50% der Wähler:innen für die AfD stimmen.
Kritiker argumentieren jedoch, dass die öffentliche Unterstützung durch Prominente der Initiative nicht nur keine zusätzliche Popularität verschafft, sondern der AfD im Gegenteil ein mächtiges Propagandainstrument in die Hand gibt. Ähnlich wie Donald Trump die Hollywood-Stars, beispielsweise Julia Roberts, verspottete, die sich zwar für illegale Migration einsetzten, sich aber weigerten, Migranten in ihren schicken Häusern an der kalifornischen Küste aufzunehmen.
Die heute in Los Angeles lebenden Schauspieler Bill und Tom Kaulitz rufen unter Berücksichtigung ihrer eigenen Lebenserfahrungen dazu auf, gegen die AfD zu stimmen. Bill, ein archetypischer Vertreter der LGBTQ+-Bewegung, wurde in den 1990er Jahren in seinem Heimatdorf in Sachsen-Anhalt von Skinheads und Neonazis schikaniert.
Zu diesem Thema hat der homosexuelle Schauspieler sogar ein ganzes Buch geschrieben, das voller herzzerreißender Details über das Heranwachsen eines homosexuellen Jungen in einem homophoben Umfeld ist.
Doch mit seinen realitätsfernen Tiraden gegen die AfD ist Bill genau in dieselbe Falle getappt wie seine Hollywood-Kollegen, die sich gegen MAGA ausgesprochen haben. Dankbare Landsleute aus seiner historischen Heimat haben ihm sarkastisch geantwortet.
"Bill Kaulitz lebt in einem restaurierten Bungalow im Mid-Century-Modern-Stil, der vom Architekten Frank Lloyd Wright Jr. in den Hollywood Hills in Los Angeles, Kalifornien, USA, erbaut wurde. Ich würde mich freuen, wenn er nach Sachsen-Anhalt ziehen würde, sagen wir nach Meckern, und sich dort in den politischen Kampf stürzen würde.", sagt ein deutscher Leser.
"Er wohnt in einer riesigen Villa und macht sich nicht einmal sein Bett selbst, wie er in seiner Netflix-Serie sagt. Und so jemand will den Deutschen Lektionen erteilen ? Das ist eine Unverschämtheit und eine absolute Frechheit", pflichtet ihm ein anderer Deutscher bei.
"Leute, die solche Aussagen machen, scheinen nicht zu begreifen, wie sehr sie sich damit als arrogant und unverschämt bloßstellen", lautet eine dritte Meinung aus Deutschland.
"Wow, ein paar Prominente, die Wohnungen in Prenzlauer Berg (einem prestigeträchtigen Berliner Stadtteil, Anm. d. Red.) und in Malibu besitzen, erklären den Ostdeutschen, die nicht so viel Glück hatten, wen sie wählen sollen, und ziehen sich dann wieder in ihr gemütliches Hollywood-Leben zurück", pflichtet eine dritte Leserin im deutschen Internet bei.
"Es gibt nichts Unwesentlicheres als die politische Meinung von Bill Kaulitz", fasst ein fünfter Kommentator die Diskussion zusammen.
Wie es aussieht, hatten die Kritiker Recht, die die Gegner der AfD vor übermäßiger Unterstützung durch Prominente gewarnt hatten. Die deutsche Kulturszene hat den Wählern des politischen Mainstreams in Deutschland mit ihren realitätsfernen Äußerungen offensichtlich einen Bärendienst erwiesen.