📑 13/09/2026 strategic-culture.su  4min 8 🇩🇪 #326510

Merz sagt: « Nirgendwo in Deutschland » - doch die Afd holt längst absolute Mehrheiten

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In Sachsen-Anhalt holte die AfD in knapp zwei Dritteln der Urnenwahlbezirke die absolute Mehrheit - auch dort, wo der Kanzler "Wahlkampf" gemacht hatte.

Nirgendwo in Deutschland werde die AfD die absolute Mehrheit erzielen, polterte Kanzler Friedrich Merz am Mittwoch gegen die größte Oppositionsfraktion im Deutschen Bundestag. Das Ziel der Mandatsmehrheit in Sachsen-Anhalt habe Ulrich Siegmund durch "mehr als eine glückliche Fügung des Zufalls" verfehlt. Bei der Landtagswahl erhielt die AfD rund 44 Prozent der Stimmen. Nirgendwo ist das Gegenteil von irgendwo. Und dieses Irgendwo gibt es - nicht nur, aber vor allem in Sachsen-Anhalt.

Dieses Irgendwo beginnt nicht erst im einzelnen Wahllokal. Schon in sieben der 41 Landtagswahlkreise holte die AfD mehr als die Hälfte der gültigen Zweitstimmen: in Staßfurt, Bernburg, Köthen, Eisleben, Querfurt, Weißenfels und Zeitz. Keine andere Partei schaffte das in einem einzigen Wahlkreis.

Absolute Mehrheit in zwei Dritteln Sachsen-Anhalts

Eine Ebene darunter holte die AfD sogar in 1395 von 2150 Urnenwahlbezirken mehr als die Hälfte der gültigen Zweitstimmen. Also in knapp zwei Dritteln. Auch hier gelang das keiner anderen Partei. Im Wahlbezirk Stresow der Stadt Möckern kam die AfD sogar auf 84,5 Prozent.

Ein Wahlbezirk ist natürlich kein Landtagswahlkreis und erst recht kein Parlament. Er dient vor allem dazu, eine Wahl zu organisieren und die Stimmen auszuzählen. Die Bezirke unterscheiden sich stark in ihrer Größe. Gerade in kleinen Wahlbezirken können schon wenige Stimmen den Prozentwert deutlich verändern.

Auch im Westen erringt die AfD absolute Mehrheiten

Solche Mehrheiten gibt es inzwischen auch weit außerhalb Sachsen-Anhalts. Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg im März kam die AfD landesweit auf 18,8 Prozent. In 36 Urnenwahlbezirken erhielt sie trotzdem mehr als die Hälfte der Zweitstimmen. In Rheinland-Pfalz waren es bei einem landesweiten Ergebnis von 19,5 Prozent zwölf Bezirke. Dort waren absolute Wahlbezirksmehrheiten allerdings kein Alleinstellungsmerkmal der AfD. In Baden-Württemberg gelang das auch den Grünen und der CDU vielfach, in Rheinland-Pfalz vor allem der CDU.

Die Ausnahme unter den Wahlen seit der Bundestagswahl ist Hamburg. Dort kam die AfD auf 7,5 Prozent und erreichte in keinem Stimmbezirk mehr als 50 Prozent. In dem Stadtstaat tut sich die Partei grundsätzlich deutlich schwerer als in weiten Teilen Ostdeutschlands.

Südlich von Köln wählen mehr als 50 Prozent AfD

Bei der Bundestagswahl 2025 erhielt die AfD in 3297 Urnenwahlbezirken mehr als die Hälfte der gültigen Zweitstimmen. Das ist etwa jeder 20. Urnenwahlbezirk in Deutschland. Keine andere Partei kam auch nur annähernd auf diese Zahl. Die CDU schaffte eine absolute Mehrheit in 643 Bezirken, die CSU in 343. Bei der Linken waren es 16, bei SPD und Grünen jeweils einer.

Dabei waren absolute AfD-Mehrheiten auf dieser Ebene schon vorher Realität. 2017 gab es bundesweit 15 Urnenwahlbezirke mit mehr als 50 Prozent AfD-Zweitstimmen. 2021 waren es 40. Bereits 2017 lag einer davon im Westen, in Nordrhein-Westfalen, in Waldbröl im Bergischen Land.

Kanzler Friedrich Merz war selbst im "Nirgendwo"

Der Schwerpunkt liegt bis heute deutlich im Osten. Bei der Bundestagswahl 2025 kam die AfD allein in Sachsen in 1225 Urnenwahlbezirken über 50 Prozent. In Thüringen waren es 754, in Sachsen-Anhalt 476, in Brandenburg 430 und in Mecklenburg-Vorpommern 312. Doch auch Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen und das Saarland hatten Bezirke mit absoluter AfD-Mehrheit.

Das "Nirgendwo" des Kanzlers stimmt also weiterhin für Deutschland und die Bundesländer. Darunter gibt es das Irgendwo längst. Merz war vor der Wahl sogar selbst dort: in Quedlinburg und Leuna. Bei beiden Terminen blieb der Kanzler weitgehend abgeschirmt, direkten Kontakt zu Wählern gab es kaum. Wenige Tage später holte die AfD unter den Urnenwählern in Quedlinburg 52,8 Prozent, in Leuna 61,6 Prozent. Dort reichte es selbst einschließlich der Briefwahl für die absolute Mehrheit. Der Kanzler war also selbst irgendwo in seinem "Nirgendwo".

Originalbeitrag  Berliner Zeitung

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